Jedes Jahr schrumpft die lokale Nachfrage nach traditionellen Stoffen auf Grund des hohen Arbeitsaufwandes und der langen Fertigungszeiten. Traditionelle Textilherstellung wird immer häufiger durch maschinelle Fertigung und Fabrikarbeit in den Städten ersetzt. 

Hier stellen wir Euch kurz unsere Partner und deren Gemeinschaften vor.

Webmeisterin Inrahani aus Südvietnam

Die Muster Vietnam 3, 11 und 12 beziehen wir direkt von unserer Partner-Kunsthandwerkerin Inrahani (kurz „Hani“), die einer kleinen Minderheit im Süden Vietnams, den Cham, angehört. Inrahani produziert mehr als nur Textilien, es sind kleine „Bücher im Stoff“. Die Designs in den Stoffen erzählen alte, überlieferte Geschichten mit Motiven, die nach Gegenständen des alltäglichen Lebens benannt sind wie z.B. „Gurke“ oder „Hundefuß“.

Schon frühe chinesische Quellen berichten davon, dass die Cham sowohl Baumwoll- als auch Seidenstoffe webten und dabei verschiedene Farben und Muster einarbeiteten. Cham-Weber „wussten wie man Goldfäden in Kette und Schuss einarbeitet, so dass ein unterschiedliches Muster auf beiden Seiten der Textilien entsteht.“ Und sie „bestickten komplizierte Muster schillernd und luxuriös mit Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen.“

Während seines Aufenthaltes vor Ort sah Ethnotek Gründer Jake Orak jedoch verkümmerte Webstühle, die ungenutzt in den Vorgärten der Häuser standen. Da fast alle Bewohner im arbeitsfähigen Alter ihre Dörfer verlassen, bleiben nur Kinder und alte Menschen zurück. Es gab einfach niemanden mehr, der das Weberhandwerk weiterführen konnte.

Inrahani hat den Verfall dieser Tradition miterlebt: „Als ich noch ein Mädchen war, haben fast alle Familien bis in den Abend hinein gewebt. Aber viele haben das Dorf verlassen. Man konnte in der Fabrik arbeiten, ein Verkäufer werden, oder körperliche Arbeit verrichten, wie Kaffee oder Cashewnüsse ernten, und mehr Geld verdienen. Es blieben nur die Alten und Schwachen zurück, um sich um die Kinder und ihr zu Hause zu kümmern. Man benutzte die Webstühle sogar als Feuerholz.“

Inrahani machte es sich zur Aufgabe, in ihrem Dorf die Kunst des Webens wiederzubeleben. „Es war fast alles verloren, vielleicht war noch 10% übrig. Aber ich wusste, dass wenn wir die Weber zurückriefen, sie mit Freude wieder in ihre Heimat kommen würden. Sogar wenn sie nur 3 Millionen vietnamesische Dollar (ca. 125 Euro) im Dorf statt der 4 Millionen (ca.165 Euro), die sie in der Stadt verdienen könnten, ausgezahlt bekämen, würden sie wieder zurückkommen.“

Auch ihr Sohn Inrajaka traf die ungewöhnliche Entscheidung, eine erfolgversprechende Zukunft aufzugeben und aus Saigon wieder in sein kleines Heimatdorf zurückzugehen, und sich ein einfaches Leben aufzubauen. „Egal wo ich lebte, irgendwie zog es mich immer zurück. Jedes Mal wenn ich zurückging und mir Cham-Kleidung anzog, fühlte es sich einfach an, als wenn ich wieder ich selber wäre. Die Nächte im Mondschein, der weite offene Himmel, die Gerüche, die Leute. Ich fühlte, sich hier mein Leben aufzubauen, ist der beste Weg, meine Kultur zu bewahren.

1990 begann Hani mit einer kleinen Unternehmung, indem sie gewebte Handarbeiten und Souvenirs in Saigon verkaufte. In den folgenden Jahren etablierte sie sich als das Gesicht der Webkunst der Cham. Sie gewann sogar einen Preis als größter Cham-Textilhersteller. Ihr Erfolg erlaubte es ihr, die Kunst in ihrem Dorf wiederzubeleben und die Zusammenarbeit mit Ethnotek war dabei eine große Unterstützung. „Viele Leute haben geredet, aber mein amerikanischer Freund (gemeint ist Jake Orak) war der Einzige, der auch Taten folgen ließ. Er bezahlt uns 50% im Voraus, was es uns ermöglicht, die Rohstoffe einzukaufen. Er hat ein echtes Interesse daran, unserer Gemeinschaft zu helfen.“

Hani nutzt ihren Erfolg dazu, die Gemeinden in den Cham Dörfern zu unterstützen. Ihr Workshop (Atelier) dient gleichzeitig als eine Art Museum und Bibliothek. Hier werden alte Cham Artefakte ausgestellt Bücher mit alten Schriften der Cham verwahrt. Ihr Traum ist es, eine Vorschule zu errichten, in der die Kinder etwas über die Kultur der Cham lernen können. Sie möchte außerdem ein traditionelles Cham Haus bauen, damit Besucher Einblicke in das Familienleben der Cham erleben können. Ein weiteres Anliegen ist es, alle ursprünglichen 30 Web-Motive der Cham wiederzubeleben. „Rot mit Silber oder Gold-Muster für die Männer, dunkel grün und andere dunkle Farben für die Frauen". Die Farben und Muster zeigen den Stand des Trägers. Die Muster werden von unseren Priestern getragen, die mit Gott sprechen. Sie werden von unseren Müttern und Vätern getragen, wenn diese von uns gehen. Wie könnten wir diese Tradition aussterben lassen? Wir haben zwar immer noch unsere Cham Türme, aber das sind historische Artefakte. Ich möchte aber auch dafür sorgen, dass unsere Kultur überlebt – unser Essen, unsere Kunst, unsere Art zu leben!

Die Minderheiten in Vietnam haben eines gemeinsam, sie werden entweder an den Rand gedrängt oder zu lebendigen Ausstellungsstücken degradiert. Der sogenannte Ethnozid stellt eine ernsthafte Gefahr für diese Volksgruppen dar, da es an Unterstützung und Verständnis für die Bedeutung von deren kulturellen Praktiken mangelt.
Die Cham unterscheiden sich insofern von anderen Minderheiten in Vietnam, dass sie mit ethnischen Vietnamesen gemischt leben und nicht geographisch isoliert wie die Bergstämme im Norden Vietnams. Dennoch sind viele der Cham Dörfer wirtschaftlich schwach und haben kaum Zugang zu höherer Bildung oder anständiger Arbeit.

„Die meisten jungen Menschen gehen weg, wenn sie können“ sagt Inrajaka. Diese Abwanderung junger Menschen erhöht den Druck auf die Cham, ihre Kultur zu vergessen. „Es gibt viele Cham, die denken, ihren Kindern die Cham Sprache beizubringen, sei nicht wichtig. Es ist aus wirtschaftlichen Gründen besser, wenn sie Englisch oder Japanisch lernen. Für uns waren einmal Wissen, Literatur und Musik über alle materiellen Besitztümer erhaben, aber heutzutage geht es nur noch um Autos, große Häuser und Geld" bemerkt Inrajaka wehmütig zum Zustand seiner Kultur.


Wir haben es zu unserer Aufgabe erklärt, die Nachfrage für handgemachte Textilien wieder herzustellen, indem wir auf der einen Seite geschäftliche Beziehungen mit diesen Regionen aufbauen und auf der anderen Seite deren Geschichte mit einem größeren, globalen Publikum teilen - "Kulturelle Präservation durch Handel und Storytelling", wenn man so will.

Partner wie Hani zu finden, ist für Ethnotek ein essentieller Teil der Arbeit. Uns geht es nicht darum, den armen hilflosen Handwerkern ein Almosen zu geben, sondern echte und nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen. Ohne Partner vor Ort, die die Sprache, die Kultur und die Strukturen in der Region sowie den Herstellungsprozess an sich kennen, wäre dies nicht möglich. Nur mit Hilfe von in der Gemeinschaft verwurzelten Partnern können wir es schaffen, die Menschen vor Ort für diesen gemeinsamen Zweck zusammenzubringen. Unsere Aufgabe ist es dabei, konstante Bestellungen für die Textilien abzugeben, und so sicherzustellen, dass der Handel eine gesicherte Einkommensquelle für die Kunsthandwerker darstellt. Wir sind Hani sehr verbunden und dankbar dafür, dass sie diesen Austausch möglich macht, und so eine alte Kunst am Leben gehalten werden kann.

Die schwarzen und roten Hmong-Bergstämme

Die Muster Vietnam 13 und 5 beziehen wir direkt von dem schwarzen-, und das Muster Vietnam 6 von dem roten Hmong-Bergstamm im Norden Vietnams. Hier begann auch die Geschichte von Ethnotek. In seinem früheren Leben war Jake Orak, Gründer von Ethnotek, ein Taschendesigner für ein großes Unternehmen, das seine Produkte in Massenproduktion hergestellt hat. Während einer Reise durch die abgelegenen Bergregionen im Norden Vietnams, in denen die Menschen noch in Stammeskulturen leben, entdeckte er Kunsthandwerker, die im kleinen Stil hochqualitative, handgemachte Textilien in ihren Hinterhöfen produzierten. Was Jake entdeckte, war ein uraltes Handwerk, weitergegeben von Generation zu Generation. Doch dieses Handwerk war vom Aussterben bedroht.

“Mir war bewusst, dass dies eine kulturelle Tradition war, die sicherlich nicht mehr viele Leute zu Gesicht bekommen. Und mir war auch bewusst, dass die Nachfrage auf Grund der hohen Kosten und der langen Fertigungszeiten schrumpft.“ Mit den Taschen und Rucksäcken von Ethnotek schuf Jake ein Geschäftsmodell, das auf langfristigen wirtschaftlichen Beziehungen zu den Kunsthandwerkern basiert. 

Vankar Shamji aus Indien

Die Muster Indien 8 sowie 10 – 19 sind handgewoben. Wir beziehen die Stoffe direkt von Vankar Shamji, einem Meisterweber in fünfter Generation. Zusammen mit seiner Familie lebt und arbeitet der Meisterweber in seinem Dorf Bhujodi im Bundesstaat Gujarat in Indien.

Shamji ist ein gutes Beispiel, um mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. So gibt es das weitverbreitete Missverständnis, dass Kunsthandwerker dieser Arbeit nur nachgehen, weil sie keine andere Wahl haben und schlecht ausgebildet sind. Shamji beweist das Gegenteil: „Jeder kann studieren und in der Bank in der Stadt arbeiten. Aber nur wenige Menschen können in mein Dorf kommen und tun was ich tue! Ich bin neben einem Webstuhl aufgewachsen, ich habe das Weben in meinem Blut. Das kann man nicht lernen, das ist ein Geschenk.“ Shamji weiß, wovon er redet. Sein Sohn verließ einst das Dorf, um in Sydney zu studieren. Nach seinem Abschluss blieb er jedoch nicht in Australien, sondern kam nach Bhujodi zurück um seiner Familie zu helfen ein funktionierendes Geschäftsmodell, das gleichzeitig die Arbeiter entlastet, aufzubauen. Die Zusammenarbeit mit Ethnotek sichert dem kleinen Familienbetrieb einen Zugang zum globalen Markt und sorgt so für ein florierendes Geschäft, auch in einer der ländlichen Regionen Indiens.

Das zweite Vorurteil, dem Shamji widerspricht ist, dass Frauen im ländlichen Indien nicht respektiert werden. Auch dazu hat Shamji seine ganz eigene Meinung: „Unser Herstellungsprozess beginnt und endet mit unseren Frauen. Ohne sie wäre das Alles nicht möglich.“

Maria Sic-Tzunun und ihre Familie 

Alle unsere guatemaltekischen Muster sind handgewoben. Wir beziehen die Stoffe direkt von Maria Sic-Tzunun, ihrem Mann Juan und ihrem Sohn Manuel aus Chichicastenango, Quiche in Guatemala. Maria und ihre Familie stellen die Muster auf einem pedalbetriebenen Webstuhl her.

Teddy Priyanagroyo und Setiawan (Iwan) Muhammad 

Alle Stoffe aus Indonesien sind handgebatikt. Die Muster Indonesia 2, 4 und 16 beziehen wir direkt von Teddy Priyanagroyo, und die Muster Indonesia 5, 6, 10, 11 und 12 direkt von Setiawan (Iwan) Muhammad aus Surakarta auf Indonesien. Das Batiken ist eine uralte Technik, die ihre Wurzeln in Indonesien haben soll. Der Herstellungsprozess läuft dabei in folgenden Schritten ab:

  1. Ethnotek gibt eine Bestellung beim Künstler auf
  2. Der Künstler malt sein Muster auf Pergamentpapier mit dem Ziel, einen Kupferstempel herzustellen.
  3. Der Kupferstempelmacher biegt das Kupfer mit Zange, Hammer, Schere und Hacke bis es genauestens auf die Zeichnung des Künstlers passt.
  4. Der Künstler führt einen Qualitätscheck durch, um sicherzustellen, dass der Stempel genau seiner Zeichnung entspricht.
  5. Der angepasste Stempel kommt in das Wachsstempelregal.
  6. Der Batik-Meister stellt das Batik-Wachs her und schmilzt es, damit es mit dem Stempel auf die Baumwolle aufgetragen werden kann.
  7. Der Künstler trägt mit dem Stempel das Wachs auf und lässt es in das Gewebe eindringen.
  8. Der Stoff wird in Färbemittel getunkt.
  9. Der Stoff wird zum Trocknen aufgehängt.
  10. Der Stoff wird zu Ethnotek nach Vietnam geschickt.
  11. Der Stoff wird in die Taschen von Ethnotek eingearbeitet
  12. Die Taschen kommen zu Euch.

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